Psychometrik und die Algorithmen hinter Brexit und Trump

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Seit langem hat mich ein Artikel nicht mehr so aufgerüttelt wie dieser. Es geht um die Firma, besser den Algorithmus, mit denen Trump und der Brexit Wirklichkeit wurden: Big Data.

Alles begann in Cambridge, wo der Warschauer Studenten Michal Kosinski eine kleine App ins Netz stellte, die auf der Ocean-Methode basierte. Einem psychologischen Standart-Test für Persönlichkeitsprofile. Normalerweise ist man ls Student froh, wenn eine Handvoll Kommilitonen den Fragebogen ausfüllen, im Netz gaben Zehntausende, dann Millionen ihre intimsten Details preis. Darauf aufbauend verfeinerten sie ihre Methode und 2012 erbrachte „Kosinski den Nachweis, dass man aus durchschnittlich 68 Facebook-Likes eines Users vorhersagen kann, welche Hautfarbe er hat (95-prozentige Treffsicherheit), ob er homosexuell ist (88-prozentige Wahrscheinlichkeit), ob Demokrat oder Republikaner (85 Prozent).“ Aber nicht nur das, auch Religionszugehörigkeit, Alkohol-, Nikotin- und Drogenkonsum lassen sich prognostizieren, ob die Eltern vor dem 21. Lebensjahr noch zusammen waren usw..

Keine Atempause, Geschichte wird gemacht

„Kosinski geht wie im Rausch immer weiter: Bald kann sein Modell anhand von zehn Facebooks-Likes eine Person besser einschätzen als ein durchschnittlicher Arbeitskollege. 70 Likes reichen, um die Menschenkenntnis eines Freundes zu überbieten, 150 um die der Eltern, mit 300 Likes kann die Maschine das Verhalten einer Person eindeutiger vorhersagen als deren Partner. Und mit noch mehr Likes lässt sich sogar übertreffen, was Menschen von sich selber zu wissen glauben.“

2014 trat schliesslich ein junger Assistenzprofessor namens Aleksandr Kogan an Kosinski heran, der eine dubiose Firma, in mehreren Steuerparadiesen zuhause, vertrat, die seine Arbeit kommerziell nutzen wollte. Kogan und Alexander Nix, Chief Executive Officer von Cambridge Analytica) spielten die Rolle von Darth Varder – und der Rest ist Geschichte. Sollten Sie aufmerksam in diesem Artikel nachlesen.

Und noch ein Nachschlag aus dem Artikel, der ein bezeichnendes Licht auf die Konsequenzen dieser Revolution wirft: „Trumps Digitalkampagne hatte davor mehr oder minder aus einer Person bestanden: Brad Parscale, einem Marketingunternehmer und gescheiterten Start-up-Gründer, der Trump für 1500 Dollar eine rudimentäre Website aufgebaut hatte. Der 70-jährige Trump ist kein Digitaltyp, auf seinem Arbeitstisch steht nicht einmal ein Computer. So etwas wie eine E-Mail von Trump gibt es nicht, hat seine persönliche Assistentin einmal verraten. Sie selber habe ihn zum Smartphone überredet – von dem aus er seither unkontrolliert twittert.“

Kritik zu besagtem Artikel:

Dennis Horn, WDR-Blog, Hat wirklich der große Big-Data-Zauber Trump zum Präsidenten gemacht?

SPON,  Ich ganz allein habe Trump ins Amt gebracht

FAZ, Das Ende des Wahlkampfs, wie wir ihn kennen

TAZ, Die waren es!

Jens Scholz, HAT EIN BIG DATA PSYCHOGRAMM TRUMP WIRKLICH DEN SIEG GEBRACHT?

Advertising Age, Cambridge Analytica Not Exactly Toast of the Town,

Civicist, RETROSPECTIVE WISHCASTING

Civicist, PREPARING FOR THE CAMPAIGN TECH BULLSHIT SEASON,

 

 

Der besagte Artikel stammt aus dem MAGAZIN, nach eigener Einschätzung wie folgt aufgestellt: „Seit über vierzig Jahren steht Das Magazin für herausragende Reportagen, Portraits und Essays. Das Magazin pflegt bewusst einen «slow journalism», klassische News sowie rasch Geschriebenes überlassen wir den Tagesmedien. Das Magazin soll ein Leservergnügen sein, wir pflegen eine sorgfältige Sprache, und legen viel Wert auf die Art und Weise, wie in unserem Blatt die Geschichten erzählt werden. Das Magazin richtet sich an anspruchsvolle Leserinnen und Leser, die über mehr Zeit verfügen um ihren intellektuellen Hunger zu stillen als ein paar Minuten.“

 

 

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